Orgelbau-Verein Pasing e.V.

Tagebuch Orgelaufbau


Aus organisatorischen und technischen Gründen wird das "Orgel-Tagebuch" auf dieser Website angezeigt.

 

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Texte und Fotos: Thomas Fischaleck, Chordirektor



Woche 1 - Freitag, 30. April 2021 (Tag 4)

Heute beginnt die Installation der Traktur zur C-Seite des Pedals, gleichzeitig wird das Wellenbrett zum 2. Manual angebracht.
(Bild Tag4+1; Bild Tag4+2)
Außerdem kommt der Inhalt der besonderen Kiste vom Dienstag – der Schatztruhe – nach oben.
Die Kiste beinhaltete die Physharmonika, ein spezielles Register mit durchschlagenden Zungenstimmen, ähnlich einem großen Akkordeon. Es ist in einer edlen Eichentruhe untergebracht, die vorne am Balkon der Brüstung zu stehen kommt. Wenn man den Deckel der Truhe öffnet, sieht man das eigentliche Register unter einem Schalldeckel, den man später vom Spieltisch aus mit einem Fußtritt öffnen und schließen kann. So kann man den Schallaustritt, der durch die an dieser Stelle durchbrochene Brüstungstäfelung erfolgt, dynamisch beeinflussen. Zudem steuert der Fußtritt anfangs die zuströmende Luftmenge, wodurch dieses Register auch extrem leise Klänge erzeugen kann. Die Truhe ist darüber hinaus so konstruiert, dass sich bei Orchestermessen der davor stehende Dirigent auch mal drauf setzen kann (z.B. bei der Predigt… auch ist sie so großzügig gebaut, damit man rechts und links noch eine Halbe Bier und ein paar Wurstsemmeln unterbringt…)
(Bild Tag4+3; Bild Tag4+4; Bild Tag4+5)
Am Schluss noch drei Fotos nach Feierabend. Auf dem ersten sieht man auch, dass hinter dem Schwellkasten bereits ein Aufstieg zur obersten Etage montiert wurde. Die Orgelbauer sind am späten Mittag wieder nach Bautzen gefahren und die Hlg. Cäcilia wacht über die Baustelle.
(Bild Tag4+6; Bild Tag4+6; Bild Tag 4+8)

ENDE der ersten Montagewoche

Mit der zweiten Woche geht’s demnächst weiter. In der Woche darauf (mit dem Feiertag Christi Himmelfahrt) machen die Orgelbauer eine Woche Pause, in der die Kirchenmaler die Holzteile des südlichen Prospekts fassen.


Woche 1 - Donnerstag, 29. April 2021 (Tag 3)

Heute wird am Aufbau der Windversorgung und an der Vervollständigung der Pedalladen mit Pfeifenstöcken gearbeitet. Außerdem wird weiter am Schwellkasten gearbeitet und das darin liegende Wellenbrett für die C-Seite des darüber liegenden Hauptwerks installiert. Viel Kleinarbeit … und an der Rückwand des Schwellwerkes muss am Anschluss an das Gewölbe gehobelt werden, da die Gewölbegeometrie nicht ganz mit den Plänen übereinstimmt. Kein Problem, wenn man das Werkzeug dabei hat (für das Holz, nicht für die Kirchenwände!)
(Bild Tag3+1; Bild Tag3+2; Bild Tag3+3)


Woche 1 - Mittwoch, 28. April 2021 (Tag 2)

In aller Frühe wurde die Haupt-Windmaschine (Schleudergebläse) nach oben gezogen und montiert und am Gerüstwerk weitergearbeitet, das die Windladen aufnehmen wird.
(Bild Tag2+1)
Da von Mittwoch bis Freitag die Hlg. Messe weiterhin um 8.45 Uhr in der Kirche gefeiert wird, machen die Orgelbauer erst von 8.40 Uhr bis 9.20 Uhr ihre Frühstückspause. Und da werden sie ordentlich zugeschlagen haben, denn nach der Pause kamen im Laufe des Tages die schweren Windladen des 2. Manuales und die Teil-Windlade des Hauptwerkes für die C-Seite an die Reihe. Die Windladen des 2. Manuals waren noch in relativ angenehmer Höhe zu legen.
(Bild Tag2+2; Bild Tag2+3)
Die Teillade des Hauptwerkes musste aber bis in die Höhe von über 6 Meter gewuchtet werden. Nach kurzer Lagebesprechung und kräftigem „Hauruck“ war aber auch das bald geschafft.
(Bild Tag2+4; Bild Tag2+5)
Den Abschluss des Tages bildete der Aufbau des Schwellkastens, der die Pfeifen des 2. Manuales umschließen wird.
Dieser Schwellkasten wird nächste Woche noch vorne zahlreiche große Lamellen (sogenannte Jalousien) bekommen, die vom Organisten stufenlos geöffnet und geschlossen werden können, um damit die Lautstärke und Klangfarbe dieses Manuals zu ändern.
(Bild Tag2+6)


Woche 1 - Dienstag, 27. April 2021 (Tag 1)

Der große LKW aus Bautzen fährt über Nacht und ist für ca. 8 Uhr angekündigt, aber bereits ab 7 Uhr stehen Helfer aus der Pfarrei bereit. Die Zeit bis zur Ankunft des LKW wird genutzt, um die Überreste der Renovierungsarbeiten auf der Empore zu beseitigen und den Bauraum mit Staubsauger und Wischmopp zu reinigen. Im Bild die vorbereitete Empore mit dem mittigen Bodenausschnitt zur Aufnahme der tiefer gelegten Pedaltraktur.
(Bild Tag1+1)
Schließlich ist alles vorbereitet und das Warten beginnt… Irgendwann kommt die Nachricht, dass der LKW schon kurz vor München ist. Vor München – nicht vor Pasing! Nachdem die ersten Mägen schon zu knurren beginnen, bestehen ernsthafte Überlegungen, die Leberkäs-Semmeln für die Brotzeit sofort zu holen. Doch kurz vor der Entscheidungsfindung dazu kommt endlich etwas vor 10 Uhr ein ewig langer blau beplanter LKW langsam die enge Bäckerstraße entlang gerollt. Bei der Einfahrt auf den Kirchplatz werden die ersten Fotos gemacht und nach dem professionellen Anparken an die Kirchenstufen beginnt sofort das Entsichern und Ausladen der Orgelteile, die den gesamten Hänger von unten bis oben ausfüllen.
(Bild Tag1+1a; Bild 1+1b; Bild 1+1c)
Die Ladung wird nach Anweisung der Orgelbauer im gesamten hinteren Kirchenschiff und unter der Empore gelagert.
(Bild Tag1+3; Bild Tag1+4; Bild Tag1+5)
Auch eine besondere Kiste wird herein getragen – mehr dazu im Bericht zum Freitag dieser Woche.
(Bild Tag1+5a)
Nach der verspäteten Leberkäsbrotzeit (Bild Tag1+5b) ging es dann ans Ausladen der großen Pedalpfeifen aus Holz und Metall und letztendlich war auch noch die im LKW ganz hinten stehende große Schutzkiste mit dem schweren Orgelspieltisch in die Kirche zu verbringen.
(Bild Tag1+5c; Bild Tag1+6; Bild Tag1+7; Bild Tag1+8; Bild Tag1+9)
Am frühen Nachmittag bot sich dann von der Empore aus ein wohlgeordnetes Chaos im Kirchenschiff.
(Bild Tag1+10; Bild Tag1+11)
Der Chronist durfte auch schon einen kurzen Blick auf die Registerstaffeln in der Spieltisch-Kiste werfen.
Hoppla: was steht denn da auf dem zweiten Bild auf dem Register in der dritten Reihe ganz rechts? „Vox humaine“! Es gibt eine deutsch-barocke „Vox humana“ oder eine französische „Voix humaine“. Ein Zwitter? Das müssen wir noch klären.
(Bild Tag1+11a; Bild Tag1+11b)
Nach dem Dank an die fünf Helfer aus der Pfarrei machten sich die Orgelbauer dann an die eigentliche Arbeit.
Als erstes muss man aber feststellen, dass der Beruf des Orgelbauers nicht nur die kunstvolle Holzbearbeitung, das Arbeiten mit Metall, Leder oder Filz, Kenntnisse in Statik, Mechanik, Elektrik, Elektronik und Betriebswirtschaft umfasst, sondern auch hochgebirgstaugliche Fähigkeiten voraussetzt. Zum Beispiel bei der Montage des Kettenaufzuges zum Hochziehen der schweren Teile…
(Bild Tag1+11c)
(Manche) Orgelbauer sind also auch als Bergretter, zur Reparatur von Seilbahnen, Strommasten usf. einsetzbar!
Nachdem der Kettenaufzug montiert war, wurde an diesem ersten Tag noch akribisch und zeitaufwändig der Bodenrahmen für den südlichen Orgelteil ins Wasser gelegt und die ersten Teile des südlichen Gerüstwerkes mit den hinterständigen Pedalladen aufgebaut.
(Bild Tag1+12; Bild Tag1+13; Bild Tag1+14)


Woche 1 - Montag, 26. April 2021 (Tag 0)

In aller Frühe kommen die Kirchenmaler und erledigen die restlichen malerischen Arbeiten an der Emporenbrüstung, vor allem an dem erst vergangene Woche montierten balkonartigen Vorbau in der Mitte. Am frühen Nachmittag bauen dann die Gerüstbauer das Gerüst in der Mitte der Empore ab. Jetzt stehen nur noch die beiden seitlichen Gerüsttürme mit der querlaufenden Traverse, an der der Kettenaufzug der Orgelbauer montiert werden soll. Am späten Nachmittag durchflutet dann die Sonne die Kirche, die auf die Orgel wartet.

Am späten Abend kommen schließlich noch die Orgelbauer aus Bautzen in ihrem Kleinbus. Die fünf Mitarbeiter unter Leitung von Orgelbaumeister Dirk Eule beziehen ihre vorbereiteten Quartiere und werden sich nach der langen Fahrt wohl bald zur Ruhe begeben haben.


Februar 2021

Die neue Orgel, noch in der Werkstatt der Orgelbaufirma Eule in Bautzen.

Fotos: Hermann Eule Orgelbau GmbH